Politische Teilhabe ist ein Grundpfeiler der Demokratie und doch ist sie nicht für alle gleich zugänglich. Wir müssen aktiv daran arbeiten, möglichst vielen Menschen Partizipation zu ermöglichen. Denn mehr als ein Drittel aller Wiener:innen hat keinen österreichischen Pass und ist von zentralen politischen Prozessen strukturell ausgeschlossen. Wir beschäftigen uns daher seit Jahren mit den Fragen: Wer kann teilhaben? Was hält Menschen davon ab? Und wie kann inklusive Teilhabe wirklich gelingen?

Was unsere Forschung zeigt

Unsere Studien – darunter die groß angelegte Studie Inclusive Districts of Democracy (2024) und zuletzt Democracy in Motion (2025) – zeichnen ein klares Bild: Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte bringen großes politisches Interesse mit. Sie wollen mitgestalten, mitentscheiden, gehört werden. Gleichzeitig stoßen viele auf strukturelle und gesellschaftliche Hürden, die echte Teilhabe erschweren.

Fehlende Staatsbürgerschaft als strukturelle Barriere: Knapp 19 Prozent der Wiener Bevölkerung haben die Staatsbürgerschaft eines Drittstaates und sind damit von Wahlen auf Bundes-, Landes- und Bezirksebene ausgeschlossen. Dieser Ausschluss sendet ein deutliches Signal – und wirkt sich direkt auf das Zugehörigkeitsgefühl und die politische Motivation aus.

Zugehörigkeit als Voraussetzung für Engagement: Wer sich als Teil dieser Gesellschaft sieht und Selbstwirksamkeit erlebt, engagiert sich. Wer das Gefühl hat, nicht dazuzugehören, zieht sich zurück. Diskriminierende Erfahrungen im Alltag aufgrund von Sprache, Herkunft oder Geschlecht verstärken diesen Effekt.

Fehlende Repräsentation: Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte sind in der Wiener und österreichischen Politik nach wie vor stark unterrepräsentiert. Das Fehlen von Vorbildern wirkt sich unmittelbar auf das Zutrauen aus, selbst politisch aktiv zu sein.

Intersektionale Barrieren: Faktoren wie Geschlecht, Sprache, Aufenthaltsstatus und ökonomische Unsicherheit überlagern sich und machen politische Teilhabe für viele zu einem schwer erreichbaren Ziel – nicht aus mangelndem Willen, sondern aufgrund realer Lebensumstände.

Was wir tun

Forschung allein verändert nichts. Deshalb verbinden wir unsere wissenschaftliche Arbeit mit konkreten Angeboten: Wir entwickeln niederschwellige, zielgruppengerechte und partizipative Formate, die Menschen dort abholen, wo sie stehen – in ihrer Sprache, in ihrem Alltag, in ihrer Community.

Unsere Angebote ermöglichen es, Demokratie nicht nur zu verstehen, sondern zu erleben: durch Austausch, politische Bildungsveranstaltungen, Workshops und Community-Formate, in denen Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte ihre Perspektiven einbringen und politische Selbstwirksamkeit erfahren können.

Ein besonderes Merkmal unserer Arbeit ist der partizipative Ansatz: Wir forschen nicht über Menschen, sondern mit ihnen. Und wir gestalten unsere Angebote gemeinsam mit jenen, für die sie gedacht sind – weil nur so wirkliche Teilhabe möglich wird.

Demokratie geht nur gemeinsam und inklusiv!

Gemeinsam fangen wir klein an und bewirken Großes.

Was bedeutet politische Partizipation?

Politische Teilhabe umfasst weit mehr als Wählen gehen. Sie beginnt im Gespräch mit Nachbar:innen, im Engagement in der Community, in der Teilnahme an Veranstaltungen oder dem Einbringen der eigenen Stimme in gesellschaftliche Debatten. Demokratie lebt davon, dass möglichst viele Menschen aktiv daran teilhaben – in welcher Form auch immer.

Kann ich politisch aktiv sein, auch ohne österreichische Staatsbürgerschaft?

Ja. Auch ohne Wahlrecht gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen: in zivilgesellschaftlichen Organisationen, bei Demonstrationen, in Beiräten oder durch ehrenamtliches Engagement. Wir zeigen, welche Wege es gibt.

Wie sehen eure praktischen Angebote im Bereich Demokratie & Teilhabe aus?

Neben unserer Forschungsarbeit bieten wir konkrete Formate an, die politische Teilhabe erlebbar machen. Wie unser inklusives Dialogforum, ein niederschwelliger Begegnungsraum, in dem Menschen mit und ohne Flucht- und Migrationsgeschichte ins Gespräch kommen. Denn Demokratie lebt vom Austausch, und der beginnt im direkten Gespräch miteinander.

Darüber hinaus entwickeln wir Workshops und Community-Formate, die gezielt auf die Bedürfnisse und Lebensrealitäten unserer Zielgruppen eingehen – mehrsprachig, partizipativ und praxisnah.

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