Neu im Podcast: Interkulturelle Arbeit an Schulen
Wie kann Schule zu einem Ort werden, an dem sich Jugendliche wirklich gesehen fühlen? Mit unserem Pilotprojekt STABIL! haben wir genau das ein ganzes Schuljahr lang ausprobiert.
Im Schuljahr 2025/26 haben wir mit „STABIL! – Miteinander Wiener Schulen stärken“ eine Wiener Mittelschule im 10. Bezirk, die MS Landgutgasse, engmaschig begleitet. Viele Schüler:innen dort bringen Migrations- und Fluchtgeschichten mit, kämpfen mit sprachlichen Hürden oder schwierigen sozialen Dynamiken im Schulalltag. Eine Bedarfsanalyse zu Projektbeginn zeigte deutlich: Es braucht nicht in erster Linie zusätzliche Lernangebote, sondern verlässliche Bezugspersonen und geschützte Räume, in denen Jugendliche Vertrauen aufbauen und ausprobieren können, wer sie sind und sein wollen.
Bewegung, Reflexion und Beziehungsarbeit
Genau da hat STABIL! angesetzt. Mehrsprachige Trainer:innen mit eigener Migrationsgeschichte waren das Herzstück des Projekts. Sie kamen den Jugendlichen als Rolemodels auf Augenhöhe entgegen, jenseits von Notendruck und Unterrichtsalltag. In gemeinsamen Sporteinheiten wurden Teamgeist, Fairness und Konfliktlösung ganz praktisch erlebt. In interkulturellen Workshops entstand unter anderem ein selbst gebundenes „Gefühlstagebuch“, mit dem die Klassen über herausfordernde Themen ins Gespräch kamen, und ein narrativer Spaziergang durch die eigene Nachbarschaft stärkte das Gefühl von Zugehörigkeit zum Grätzl. Orientierungsworkshops wiederum gaben Raum, um über die eigene Zukunft und den Platz in der Gesellschaft nachzudenken. Ergänzt wurde das Ganze durch ein Beratungsangebot für Lehrkräfte und die Vermittlung von Eltern an unsere psychosozialen Angebote.
Die größte Wirkung: echte Beziehungen & frei gestaltete Räume
Über das Schuljahr hinweg haben wir mit den Sporttrainings hunderte Schüler:innen erreicht, drei Klassen besonders intensiv begleitet und auch viele Lehrkräfte konnten unser Beratungsangebot nutzen. Am meisten beeindruckt hat uns aber etwas, das sich nicht in Zahlen fassen lässt: Viele Jugendliche haben zum ersten Mal in einem schulischen Rahmen offen über ihre Gefühle gesprochen. Lehrkräfte berichteten, wie entlastend es war, externe Vertrauenspersonen und Menschen, die als Vorbilder auf Augenhöhe wahrgenommen wurden, an ihrer Seite zu haben. Das hat gerade deshalb weil sie von außerhalb der Schule kamen, so gut funktioniert.
Für uns ist klar: Vertrauen braucht Zeit, und es braucht Räume, die nicht an Leistung geknüpft sind. STABIL! hat gezeigt, wie viel möglich wird, wenn genau das zur Verfügung steht – und wir hoffen, das Projekt in Zukunft vertiefen und auf weitere Schulstandorte ausrollen zu können.
Mehr dazu im Podcast mit Lehrerin Sali Attia
Wie sich STABIL! aus der Perspektive einer Lehrerin angefühlt hat, erzählt Sali Attia in unserer aktuellen Podcast-Folge der Salongespräche. Hört gerne rein!


